Irrationale Impulse zerstören aufklärerische Vernunft
Die Hereinströmenden platzieren sich intuitiv im Kreis und harren erwartungsvoll. Schwere Metallstoren senken sich krachend. Da löst sich ein junger Mann aus der Menge und schreit mit tiefer Stimme wiederholt «help yourself, smile!». Er steigt auf einen Hocker, drückt seinen Körper gegen die Wand, den Kopf scheinbar lauschend zur Seite geneigt. Doch er überschreit alles in tierischen, angsteinflössenden Tönen: «You’re broken!» Er schmeisst Bücher rum, gibt dem Hocker einen Stoss: «Engage, enrage!» Er zieht die Hose runter und legt sich hin. Es wird noch dunkler. Er steht auf, klammert sich an die Säule. Hoher Ton jetzt, lange gehalten. Er sollte atmen, denke ich. «Loooooooove, you are great» und «love yourself, keep going». Das letzte Dämmerlicht verebbt. Es ist nun stockdunkel. «Paint flowers», keucht er, «paint fucking landscapes». Er pfeift aus dem letzten Loch. Die Storen gehen hoch: Applaus.
Dries Verhoeven (*1972, Oosterhout) inszeniert im Niederländischen Pavillon von Gerrit Rietveld – einem Wahrzeichen der Moderne – The Fortress, das Grauen einer aus den Fugen geratenen Weltordnung: Irrationale Impulse haben die aufklärerische Vernunft abgelöst, die westlichen Nationalpavillons ihre vermeintliche Neutralität eingebüsst, seit ihre Machthaber Grenzen schliessen, Kriege anzetteln und Genozide verantworten.